Die Vorbehandlung muss den Folgeprozess bestehen
Eine Oberfläche benetzt besser – doch hält später auch der Klebstoff, Druck oder Dichtstoff? Tantec bietet dafür unterschiedliche Plasma- und Corona-Systeme. Entscheidend sind der Zugang zur Fläche, die Prozessführung und ein Nachweis am fertigen Verbund.

Das Wichtigste in Kürze
Die Fläche erreichen
Kontur, Zugänglichkeit und Teilehandling bestimmen das Behandlungsprinzip.
Den Prozess festlegen
Werkstoff, Zustand, Rezept und Wartezeit gehören in denselben Bezugsfall.
Die Funktion nachweisen
Benetzung und Entladung sind Indikatoren. Die spätere Verbindung braucht ihren eigenen Test.
Die Anlage beginnt mit einer Oberflächenfrage
Ein Kunststoffteil soll bedruckt, ein EPDM-Profil beschichtet oder eine Metallfläche mit einem Dichtstoff verbunden werden. Für die Auswahl zählt zuerst, welchen Zustand die Fläche vor diesem Schritt erreichen muss. Material, Form, vorhandene Rückstände und der nachfolgende Prozess verändern die Aufgabe. Fraunhofer IFAM beschreibt die Prozessentwicklung entsprechend als Zusammenspiel von Werkstoff, Oberfläche, Geometrie und Anlagenkonzept. [P01]
Die Tantec Vertrieb GmbH in Handewitt vertritt den dänischen Hersteller Tantec A/S in Deutschland. Entwicklung und Fertigung liegen in Dänemark; der deutsche Standort nennt Vertrieb, Technikum und Lager sowie Service für deutsche Kunden. Diese Rollen sind zu trennen, wenn es um Versuche, Lieferung, Integration und Abnahme geht. [S01] [S02]
Das Angebot reicht von einer lokal geführten Plasmadüse über Vakuumkammern bis zu Corona-Systemen für unterschiedliche Produktgeometrien. Die folgende Einordnung beschreibt diese dokumentierten Funktionen und ihre Einsatzbedingungen. Sie ist keine gemessene Rangfolge der Verfahren. [S03] [S07]
Eine Düse behandelt eine Spur, eine Kammer eine Beladung
PlasmaTEC-X erzeugt eine elektrische DC-Entladung bei Atmosphärendruck. Druckluft führt die Behandlung aus der Düse zur Oberfläche. Eine Maschine oder ein Roboter kann die benötigte Bahn abfahren. Die OEM-Ausführung bindet Bedienung und Diagnose in die Anlagensteuerung ein. Daraus folgt eine Integrationsaufgabe: Bahn, Abstand, Vorschub, Teilezuordnung und Fehlerreaktion müssen zusammenpassen. [S04] [S15]
Für größere zugängliche Flächen bietet SpinTEC einen rotierenden Kopf mit zwei geneigten Düsen. SpinTEC30 ist eine eigene kompakte Ausführung. Ihre veröffentlichten Geschwindigkeitsangaben sind keine allgemeine Zusage für jedes Material und jede Behandlungsbreite. Auch eine automatisch geregelte Luftversorgung belegt zunächst den Betriebszustand der Quelle, nicht die Haftung der späteren Verbindung. [S17] [S05]
- 01 → TEIL
Ausgangszustand bestimmen
Werkstoff, Geometrie, Rückstände und zulässige Wärmebelastung beschreiben.
- 02 → PROZESS
Rezept und Übergabe prüfen
Behandlung, Beladung, Wartezeit und nachfolgenden Arbeitsgang abstimmen.
- 03 → FUNKTION
Den Verbund testen
Originalteil mit Referenz vergleichen und die geforderte Beständigkeit prüfen.
VacuTEC behandelt Teile mit einer Hochfrequenzentladung in einer Vakuumkammer. RotoVAC ergänzt eine rotierende Trommel für kleine Kunststoffteile; VacuLINE ist auf die Einbindung größerer Stückzahlen ausgelegt. Für empfindliche Oberflächen ist bei einer Trommel beispielsweise die Verträglichkeit des Teilekontakts zu prüfen. Eine volle Beladung braucht ihren eigenen Nachweis an schwer erreichbaren Stellen. [S06] [S11] [S13]
Bei VacuTEC nennt der Anbieter üblicherweise 20–120 Sekunden Behandlung. Daraus lässt sich kein vollständiger Linientakt ableiten: Beladen, Evakuieren und Belüften sind zusätzliche Schritte. Für eine Durchsatzentscheidung zählt der gesamte Ablauf mit der vorgesehenen Beladung. [S06]
Das Unternehmen im Überblick
Snapshot separat öffnen ↗Wenn Aktivierung allein nicht reicht
Ein konkretes Beispiel beschreibt Fraunhofer IST gemeinsam mit Tantec A/S und Rohloff. Auf einer geschliffenen Wälzlagerstahlfläche sollte ein Dichtstoff zuverlässig haften. Laut dem Institutsbericht führten die vorher erprobte Nassreinigung und herkömmliche Plasmabehandlung nicht zum gewünschten Ergebnis. Die weiterentwickelte VacuTEC2020+ ergänzt die Reinigung um den COAD-Prozess: Ein Präkursor wird im Plasma aktiviert und bildet eine haftvermittelnde Funktionsschicht. [P02]
Die Rollen sind konkret
Tantec A/S lieferte und passte das Grundsystem an. Fraunhofer IST entwickelte Prozess und Beschichtungseinheit; Rohloff prüfte die Beschichtung und integrierte die Anlage. Der Bericht nennt einen Einsatz in Fuldatal seit Juni 2024. [P02]
Der Nachweis bleibt anwendungsgebunden
Das Institut berichtet als Entwicklungspartner. Das Beispiel stützt die konkrete Anwendung, liefert hier aber keinen unabhängigen Vergleichstest oder eine allgemeine Zusage für andere Werkstoff-Dichtstoff-Paare.
Die zusätzliche Schicht erfüllt damit eine andere Aufgabe als bloße Aktivierung. Ob sie beim eigenen Bauteil erforderlich ist, muss ein Vergleich unter denselben Bedingungen zeigen: gleicher Oberflächenzustand, gleicher Dichtstoff oder Klebstoff, gleiche Wartezeit und dieselbe funktionale Abnahme.
Das Prinzip folgt der Geometrie und der Folgefunktion
Die Auswahl lässt sich entlang der Aufgabe strukturieren. Die Tabelle vergleicht Ansatzpunkte und Prüffragen; sie ist kein Leistungs- oder Preisranking.
| Ansatz | Naheliegende Aufgabe | Entscheidende Gegenprobe |
|---|---|---|
| Lokale Plasmadüse | Zugängliche Kleb-, Druck- oder Beschichtungsspur abfahren. [S04] | Abdeckung, Wärmebelastung und Wirkung bei realem Vorschub. |
| Vakuumkammer | Mehrere Flächen einer definierten Teilebeladung vorbehandeln. [S06] | Schlechteste Position, Materialverträglichkeit und vollständiger Zyklus. |
| Corona nach Produktform | Kabel, Flaschen, Schmalbahnen oder Kunststoffformteile vorbereiten. [S07] | Elektrodenzugang, Materialaufbau und Folgeprozess am Originalprodukt. |
| COAD-Funktionsschicht | Haftvermittlung zusätzlich zu Reinigung und Aktivierung prüfen. [S10] [P02] | Konkreten Verbund mit und ohne Schicht auf Beständigkeit vergleichen. |
Die wesentliche Grenze: Ein Produktname, eine intakte Entladung oder ein guter Benetzungswert belegt allein keine dauerhafte Kleb-, Druck- oder Beschichtungsfunktion. Der folgende Prozess und die nötige Beständigkeit gehören zur Abnahme.
Auch „ZeroNOx“ verlangt eine präzise Lesart: Die Produktseite nennt in ihren Fußnoten 97 Prozent Minderung gegenüber einem PlasmaTEC-X in der Grundkonfiguration mit 1.700 l/h bei 7 bar und 90 Prozent gegenüber zwei Systemen mit zusammen 3.400 l/h. Das sind unterschiedliche relative Bezugsfälle. Sie belegen weder Nullemission noch eine ausreichende Erfassung am konkreten Arbeitsplatz. [S09]
Aus dem Materialtest wird eine Abnahme
Das Technikum in Handewitt bietet Plasma- und Corona-Versuche, Benetzungsprüfung und Kontaktwinkelmessung. Sinnvoll ist ein Testplan mit Originalmaterial, unbehandelter Referenz und festgelegtem Folgeprozess. Wartezeit und Alterung sollten dem späteren Einsatz entsprechen. Das Laborrezept muss anschließend mit der tatsächlichen Serienbeladung oder Linienführung erneut geprüft werden. [S08] [S12]
Zur Einordnung der Messmittel gehört ihre Grenze: Referenztinten zeigen einen Oberflächenzustand an. MonTEC überwacht die Entladungsaktivität einzelner Elektroden. Beide können die Prozesskontrolle unterstützen; sie ersetzen keinen Test der geforderten Haftung oder Haltbarkeit. [S20] [S19]
Ozon- und NOx-Erfassung, Wartung und Kalibrierung sind weitere Angebotsbausteine. Haube, Filter und Ableitung müssen zur tatsächlichen Gaslast passen. Bei Lieferung und Service ist die zuständige Gesellschaft festzuhalten: Die deutsche Standortbeschreibung bestätigt keine bestimmte Servicezusage für die Schweiz oder Österreich. [S22] [S21] [S01]
Quellen & Methode
Öffentliche Anbieterunterlagen, die gesichteten Zertifikatskopien der dänischen Tantec A/S sowie Institutsquellen, geprüft am 21.10.2026. Der Fraunhofer-IST-Bericht beschreibt ein gemeinsames Entwicklungsprojekt; er ist kein unabhängiger Vergleichstest. Voraussetzungen und Gegenproben sind redaktionell abgeleitet. Keine eigene Anlagenmessung und kein Interview. Direkter Zugriff auf die deutschen Seiten war eingeschränkt; deren Inhalte wurden über gespeicherte Web-Reader-Fassungen mit ausgewiesenem Erfassungsstand geprüft.
- [S01] Unternehmen und Vertriebsrolle · Originalquelle öffnen ↗ · geprüft 21.10.2026. Hersteller-/Anbieterquelle.
- [S02] Impressum und Kontakt · Originalquelle öffnen ↗ · geprüft 21.10.2026. Hersteller-/Anbieterquelle.
- [S03] Plasma-Angebotsübersicht · Originalquelle öffnen ↗ · geprüft 21.10.2026. Hersteller-/Anbieterquelle.
- [S04] PlasmaTEC-X · Originalquelle öffnen ↗ · geprüft 21.10.2026. Hersteller-/Anbieterquelle.
- [S05] SpinTEC30 · Originalquelle öffnen ↗ · geprüft 21.10.2026. Hersteller-/Anbieterquelle.
- [S06] VacuTEC · Originalquelle öffnen ↗ · geprüft 21.10.2026. Hersteller-/Anbieterquelle.
- [S07] Corona-Angebotsübersicht · Originalquelle öffnen ↗ · geprüft 21.10.2026. Hersteller-/Anbieterquelle.
- [S08] Machbarkeit und Messmittel · Originalquelle öffnen ↗ · geprüft 21.10.2026. Hersteller-/Anbieterquelle.
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- [S18] LeakTEC · Originalquelle öffnen ↗ · geprüft 21.10.2026. Hersteller-/Anbieterquelle.
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- [S20] Testtinten und Stifte · Originalquelle öffnen ↗ · geprüft 21.10.2026. Hersteller-/Anbieterquelle.
- [S21] Wartung und Kalibrierung · Originalquelle öffnen ↗ · geprüft 21.10.2026. Hersteller-/Anbieterquelle.
- [S22] Absaugung und FlensTech-Rolle · Originalquelle öffnen ↗ · geprüft 21.10.2026. Hersteller-/Anbieterquelle.
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